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    Die Musik und ich

    Viele meiner ersten Kindheitserinnerungen haben etwas mit Musik zu tun. Das Singen vom Bi-Ba-Butzemann im Kindergarten, das Klöppeln auf dem Xylophon und das Chorsingen in der Grundschule.

    Als Kinder eroberten mein Bruder und ich die kleine, verstaubte Schallplattensammlung meiner Eltern in der riesigen Grundig-Nussholz-Musiktruhe. Bunt gemischt amüsierten sich die Beatles neben dem Großen Partyfass. Wir drehten uns bis zum Umfallen zu Mikis Theodorakis‘ hypnotischem Alexis Sorbas. Ich sang begeistert mit Ralf Bendix den Babysitter-Boogie und staunte, was Bill Ramsey auf der Pigalle erlebte.

    Später verpasste ich keine Hitparade, keine Disco und keinen Musikladen. Ich strahlte vor Glück, wenn sich einer meiner Helden in RockPop live ein wenig versang, und ich durchwachte die Nächte, um keinen Augenblick des Rockpalasts zu verpassen (samt Stereoton aus dem Radio).

    Mit der klassischen Gitarre fing ich mit 13 an, wobei mich die „ernste“ Klassik damals nur bedingt interessierte. Kaum hatte ich die ersten Brasilianer (Villa-Lobos, Baden Powell, Jobim) kennen und spielen gelernt, wusste ich wo ich musikalisch hin wollte. Dazu kam rasch das Große Beatles Songbook, ein Akkord nach dem anderen – irgendwann sogar die ersten Barrés, eigene Variationen, andere Songbooks (The Who’s Tommy, Queen, Led Zepplin …).

    Als es professioneller wurde, spielte ich zunächst in rein instrumentalen Jazzformation – zumindest hielt ich es dafür. Die „Berliner Jazzpolizei“ rümpfte die Nase über meinen „Pop“. Erst 1992 entdeckte ich das Singen wieder als DIE Ausdrucksform für meine Poesie. Um mit meiner Freude am (sehr eigenen) Gesang ein potenzielles Publikum nicht zu irritieren, nahm ich sporadisch Unterricht bei der wundervollen Gesangspädagogin Leonore Gendris, die zum Beispiel vor langen Jahren auch schon Nina Hagen ausgebildet hatte.

    Mit dem Singen kam das Songwriting und die erste Rockband Love’s-a-maze mit meinen englischen Songs. Aber ich wollte verstanden werden und die gesungenen Geschichten in der Sprache schreiben und interpretieren, mit der ich wirklich umgehen konnte, in der ich denke und mit der ich lebe. Also folgte rasch der Wechsel zu deutschsprachigen Songs, die von da an solo, im Duo oder in unterschiedlich besetzten Bands auf Bühne und CD landeten.

    Meine Helden änderten sich im Laufe der Jahre. Neue gingen, alte bleiben: Mir wird warm ums Herz bei der prosaischen Poesie von Richard Ford, Michael Ondaatje, Leon de Winter oder Irene Dische. Rio Reiser, Element of Crime, Klaus Hoffmann oder auch Blumfeld sind für mich ebenso zeitlose Künstler wie Paul Simon, Mark Knopfler oder Cat Stevens. Dazu noch eine große Prise der brasilianischen Delegation: Gilberto Gil, Caetano Veloso und natürlich der unvergleichliche João Gilberto.

    Unzählige aufwühlende Konzerte, berührender Fan-Zuspruch und diverse Auszeichnungen motivierten mich immer wieder, meine Arbeit als Sänger/Songschreiber im machbaren Rahmen (neben all den anderen Projekten und Aufgaben) fortzuführen. Und ich bin täglich gespannt, wie das alles weitergeht, was um mich herum und mit meiner Musik passiert und welche neuen Wege sich ergeben.

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