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    Interview – „Die Rheinpfalz“, 12.10.2011

    „Romantik ist schön für den Augenblick“
    Der Liedpoet Masen über Romantik und das Handwerk des Schreibens

    Außergewöhnlich ist Masen nicht nur wegen seines biografischen Hintergrundes – der 48-Jährige ist in Damaskus geboren und in Berlin aufgewachsen –, sondern auch wegen seiner hochpoetisch erzählten Lied-Geschichten, für die er in diesem Jahr für den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ nominiert worden ist. Unser Mitarbeiter Fred G. Schütz unterhielt sich mit dem Liedermacher, Songtexter, Autor und Dozent über Romantik und das Handwerk des Schreibens.

    Sie haben eine wilde Biografie. In Damaskus geboren und vermutlich sind Sie in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen? Nee, gar nicht, sondern im ordentlichen, im bürgerlichen Berlin-Tempelhof. Ins wilde Kreuzberg wollte ich erst mit 20.

    Mir ist positiv aufgefallen, dass sie in ihren Infos kaum einmal das anbiedernde Wort Liedermacher verwenden…? Anbiedernd? Das ist doch eher so in der Retro-Ecke drin. Das ist nicht unbedingt anbiedernd, eher so, dass es viele nicht mehr hören wollten. Jetzt kommt das wieder so ein bisschen durch Kollegen wie Gisbert zu Knyphausen. Heute ist es schon eher kultig.

    Passt das Wort Liedpoet, das sie öfter gebrauchen, besser zu Ihnen? Liedermacher ist ja eigentlich die Übersetzung von Songwriter. Liederschreiber klingt ja eher komisch, Liedermacher ist durch uns, die Nachsechziger eher politisch besetzt. Das ist bei mir gar nicht so. Ich bin zwar ein politischer Mensch, aber ich mache keine tagespolitischen Lieder. Deshalb benutze ich den Begriff auch nicht, um nicht den falschen Eindruck zu erwecken, da ist jetzt der politische Liederabend.

    Ihre Sachen, die Sie für die CDs mit Band eingespielt haben, sind völlig ausarrangiert. Jetzt kommen Sie in das kleine „Pünktchen und Anton“, wo ihnen das Publikum fast auf dem Schoß sitzt. Passt das für Sie? Das mag ich besonders. Ich liebe Konzerte, denn ich bin ein sehr kommunikativer Mensch und rede unheimlich gern mit den Leuten. Dafür ist so eine Atmosphäre ideal. Ich komme ja auch solo. Natürlich ist es schön, wenn man ein Festival spielt, auf einer großen Bühne oder bei einem Radio- Konzert, und dann auch noch ein paar andere Instrumente hört. Die Quintessenz aber sind die Lieder und die Texte und meine Art, sie zu präsentieren, als persönliches, spezielles Bild, das man hoch hält, oder wie ein kleiner Film, den man zeigt und in die Stimmung hineinhört: Geht es euch genauso? Da freue ich mich schon sehr drauf. Ich spiele auch ganz akustisch.

    Sie arbeiten als Autor und Hochschuldozent im Wesentlichen mit dem Text. Sehen Sie sich da als Musiker, der halt eine poetischer Ader hat? Ich komme ja eigentlich von der Musik. Ich bin von Kindheit an gelernter Gitarrist, habe das auch lange gemacht und irgendwann den Swing entdeckt und gemerkt, dass damit geht, was ich will. Ich habe ja schon mit 14, 15 eigene Songs geschrieben – zum Teil mit Text. Zu Singen habe ich mich erst sehr spät getraut – das ging erst so Mitte, Ende 20 los. Ich konnte es halt gar nicht und da habe ich mich ganz auf die Inhalte konzentriert. Es ging dann halt nicht darum, unbedingt schön zu singen, sondern etwas auszusagen, zu dem ich stehe. Das Texten fiel mir auch nicht so leicht – ich hab mich da auch erst langsam rangetastet. Aber das war ganz gut so, weil ich auch da eher innerlich orientiert bin als formal. Den schönen Reim, die Metrik – das alles habe ich zunächst mal abgelegt, um es dann später wieder neu zu entdecken. Die Idealform ist, dass man nicht mehr merkt, da wurde ein Lied geschrieben, sondern, da wird eine Geschichte erzählt, die gesungen und erzählt funktioniert. Ich weiß nicht, wie oft ich an einem Abend die Idealform erreiche, aber wenn es ein paar mal passiert, wäre das sehr schön.

    Das Lied „Der Seemann“ haben sie als Ihr beinahe politischstes Lied bezeichnet. Mir scheint da aber noch viel- Kindliches, Naives durchzukommen. Sind Sie ein Romantiker? Ach ja – irgendwie schon. Aber der „Seemann“, wenn Sie es geschafft haben, bis zum Schluss zu hören, ist ja hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Ein Liebeslied ist zum Beispiel so eins, in dem es darum geht, möglichst lange zusammenzubleiben. Aber wenn es dann nicht länger geht… Das fängt an „Wir streiten viel und irgendwie ist es gut, das es so ist…“ Ich bin da schon sehr realistisch. Romantik ist schön für den Augenblick. Ich liebe aber das Leben so sehr, dass ich es wirklich erleben möchte und nicht in Romantik verharren will. Und wenn der „Seemann“ ein gebrochener Mensch ist, weil er eigentlich noch in Saft und Kraft steht und vom Amt gesagt kriegt, dass er nicht mehr kann, dann ist das überhaupt nicht mehr romantisch. Dennoch habe ich tatsächlich schon so eine Sehnsucht nach Glück, wobei ich glaube, dass die Suche relevant ist und nicht das Finden.

    Wie halten Sie es mit dem Idealismus? Als Ziel vielleicht. Aber es gilt doch, die Realitäten erkennen und ich glaube, dass ich einen hohen Anspruch habe, Dinge perfekt zu gestalten. Auf der Bühne habe ich den interessanterweise nicht mehr unbedingt, da akzeptiere ich schon, dass ich halt nicht singen kann wie ein Pavarotti. Zum Glück brauche ich das aber auch nicht.

    Sie gehen die Dinge sehr profund an, haben auch einen akademischen Hintergrund. Ist das typisch deutsch? Eins nach dem anderen. Wenn ich über Film rede, weiß ich, dass es Dinge gibt, die ich lernen kann. Als Gitarrist war ich sehr talentiert, habe aber den Unterricht nicht sehr ernst genommen und deshalb auch nicht viel geübt. Das hat dazu geführt, dass ich nicht ein so brillanter Gitarrist geworden bin. Beim Singen und Schreiben war es eher so, dass ich so schlecht war, dass ich mir gesagt habe, „ich muss das lernen, wenn ich es unbedingt machen will“. Meine Romantik liegt vielleicht darin, dass ich es sage, wenn ich etwas unbedingt will. Dann kann ich es auch erreichen. Und wenn ich es nicht aus mir heraus kann, dann muss ich lernen, wie ich es hinkriege. Das ist sicher überhaupt nicht deutsch, denn die Deutschen sagen ja oft gerade im Songwriterbereich „entweder Du kannst es, bist ein Genie, oder Du kannst es nicht“. Den Anspruch, dass einem alles in die Wiege gelegt sein muss, habe ich nicht. Deutsch ist eher: Jeder will was sein, keiner will was werden. Aber ich wollte einfach ein guter Songwriter und Sänger werden.

    Was erwarten Sie von Ihrem Gastspiel in Pirmasens? Ich wünsche mir, dass wir einen herzlichen, schönen Abend haben, an dem wir uns alle wohlfühlen und ganz viele Pirmasenser den Weg ins „Pünktchen und Anton“ finden, mit mir als Unterhalter für den Abend.

    (12.10.2011, Fred Schütz, Die Rheinpfalz)